Friesland (Paraguay)
Aus MennoPedia
Friesland ist der Name einer mennonitischen Kolonie in Paraguay. Sie wurde 1937 im Departament San Pedro/Ost-Paraguay von Mitgliedern aus der bereits 1930 entstandenen und im nördlichen Zentral-Chaco gelegenen Kolonie Fernheim begründet. Der ursprünglichen Siedlungsgemeinschaft hatten sich 135 Familien angeschlossen, die sich zunächst in 9 Dörfern auf 6.700 ha Landes niederließen. Heute gliedert sich die Kolonie in die folgenden Dörfer: Corniesheim, Grossweide, Central, Rückenau, Landskrone, Waldheim, Rosenberg, Blumenau, Orloff, Hohenau, Ibaté, Tirol, Grünau.
Alle Familien entstammten der Gruppe der sog. “Russischen Mennoniten“ unter den deutschsprachigen Mennoniten Paraguays, und zwar in dem Sinne, dass sie direkt aus (Sowjet-) Russland über kurze Zwischenstationen in Deutschland nach dem Chaco geflüchtet waren. Dies unterscheidet sie von den Gruppen der kanadischen und mexikanischen Mennoniten, die jeweils nach längeren, mitunter mehrjahrzehntigen Aufenthalten in Kanada und Mexiko nach Paraguay gelangt waren. Der Koloniename Friesland indes verweist sowohl auf die Herkunftsregion vieler niederdeutscher Mennonitenfamilien im 16. Jahrhundert, als auch auf die Heimatregion des Menno Simons, der im westfriesischen Witmarsum geboren wurde.
Aufgrund weitreichender wirtschaftlicher Schwierigkeiten, die zeitweilig zu einer Reduzierung der Anbaufläche und starker Abwanderung führten, gelang eine Konsolidierung der Gemeinschaft erst in den 1970er Jahren. Heute gehören der Kolonie Friesland 43.145 ha Land auf dem rund 700 Menschen leben und wirtschaften. Hauptanbauprodukt der kolonieeigenen landwirtschaftlichen Korporative Soc. Coop. Agr. Friesland Ltda. ist Soja. Von Bedeutung ist auch die Friesländer Molkerei. Ferner unterhält die Kolonie Friesland auch ein eigenes Krankenhaus, ein Altersheim sowie eine Schule, in welcher auf Hochdeutsch, Spanisch und Guaraní unterrichtet wird. Die Verwaltungssprache der Kolonie ist Hochdeutsch. Umgangssprachen sind vornehmlich Plautdietsch und teils auch mennonitisches Hochdeutsch.
Für das Jahr 2007 plant die Kolonieverwaltung den regelmäßigen Betrieb eines Radiosenders für Friesland und Umgebung.
Das ländliche Entwicklungsprojekt COVESAP
1999 regte die Kolonie Friesland ein umfangreiches ländliches Entwicklungsprojekt in der meist ärmlichen Nachbarschaft der Korporative an: die COVESAP (Cooperación Vecinal para pequeños agricultores en el Departamento de San Pedro). Das Nachbarschaftsprojekt dient wesentlich der schrittweisen Verbesserung der Lebensverhältnisse der benachbarten Kleinbauernfamilien durch Fördermaßnahmen im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion und Vermarktung sowie innerhalb des Erziehungs- und Gesundheitssektors. Das Projekt wird neben den Beiträgen der Kolonie durch verschiedene paraguayische, mennonitische und auch bundesdeutsche Stellen finanziert und gefördert.
Ratzlaff, Gerhard (Hrsg.). Auf den Spuren der Väter: Eine Jubiläumsschrift der Kolonie Friesland in Ostparaguay, 1937-1987. Ascuncion, Paraguay: CROMOS S.R.L., 1987.
