Mennonitisch-Katholischer Dialog:1010

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Mennonitisch-Katholischer Dialog


Einführung

Die Entstehung dieser Gespräche

8. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind getrennte christliche Gemeinschaften in engeren Kontakt gekommen und suchen Versöhnung miteinander. Trotz weiter bestehender Trennungen haben sie begonnen, miteinander zusammenzuarbeiten zu ihrem gegenseitigen Wohl und oft zum Wohl der Gesellschaften, in denen sie Zeugnis für das Evangelium ablegen. Sie haben den theologischen Dialog aufgenommen und erforschen die Gründe für den Ursprung ihrer Trennungen. Dabei haben sie oft die Erkenntnis gewonnen, dass sie trotz der Jahrhunderte gegenseitiger Abschottung weiterhin vieles von dem christlichen Erbe gemeinsam haben, das seine Wurzeln im Evangelium hat. Sie sind auch in der Lage gewesen, ernste Differenzen zu klären, die zwischen ihnen und unter ihnen bezüglich verschiedener Aspekte des christlichen Glaubens bestehen. Kurz: In neuerer Zeit haben wir das Entstehen einer Bewegung der Versöhnung unter den getrennten Christen erlebt, die eine neue Offenheit füreinander mit sich bringt und von seiten vieler eine Verpflichtung, nach der Einheit in der Nachfolge Jesu Christi zu streben.

9. Zu dieser Bewegung in unserer Zeit haben viele Faktoren beigetragen. Zu ihnen gehören die Verhältnisse und Veränderungen in der modernen Welt. So hat z.B. die verheerende Gewalt der modernen Waffen im Nuklearzeitalter die Christen überall herausgefordert, die Friedensfrage in einer völlig neuen Weise zu bedenken – und dies sogar gemeinsam zu tun. Aber der grundlegende Anstoß für den Dialog unter den getrennten Christen ist die Erkenntnis gewesen, dass ein Streit unter ihnen die Verkündigung des Evangeliums behindert und ihrer Glaubwürdigkeit schadet. In der Tat ist ein Streit unter Christen ein großes Hindernis für die Sendung, die Jesus Christus seinen Jüngern aufgetragen hat. Es ist schwer, die gute Botschaft von der Erlösung zu verkünden, “damit die Welt glaube” (Joh 17,21), wenn diejenigen, die die gute Botschaft überbringen, grundlegende Meinungsverschiedenheiten untereinander haben.

10. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) ist die katholische Kirche in viele und verschiedene ökumenische Aktivitäten einbezogen, einschließlich einer Anzahl von internationalen bilateralen Dialogen. Dialog fand statt zwischen der Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche, der Koptischen Orthodoxen Kirche, der Malankarisch Orthodoxen Kirche, der Assyrischen Kirche des Ostens, der Anglikanischen Gemeinschaft, dem Lutherischen Weltbund, dem Reformierten Weltbund, dem Weltrat Methodistischer Kirchen, dem Baptistischen Weltbund, der Christlichen Kirche (Disciples of Christ), den Pfingstlern und den Evangelikalen. Es fanden Konsultationen mit der Evangelischen Weltallianz und den Siebententags Adventisten statt. Seit 1968 sind auch katholische Theologen als voll stimmberechtigte Mitglieder an der multilateralen Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen beteiligt.

11. Die Mennonitische Weltkonferenz hat zuvor internationale bilaterale Dialoge mit dem Reformierten Weltbund und dem Baptistischen Weltbund geführt. Ebenso unterstützt die Mennonitische Weltkonferenz zusammen mit dem Lutherischen Weltbund und dem Reformierten Weltbund den multilateralen Dialog über “Die Erste, die Zweite und die Radikale Reformation”, auch bekannt als die “Prager Konsultationen”. Die Mennonitische Weltkonferenz und der Lutherische Weltbund haben ein internationales Gespräch vereinbart, das 2004 beginnt. Mitgliedskirchen der Mennonitischen Weltkonferenz in Frankreich, Deutschland und in den Vereinigten Staaten haben bilaterale Dialoge mit den lutherischen Kirchen in diesen Ländern geführt.

12. Obwohl Mennoniten und Katholiken viele Jahrhunderte in Abschottung oder Spannung gelebt haben, haben sie in neuerer Zeit auch wachsenden Kontakt miteinander gehabt. Auf der internationalen Ebene haben sie einander beständig in einer Anzahl zwischenkirchlicher Organisationen getroffen. So treffen sich z.B. Vertreter der Mennonitischen Weltkonferenz und des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen jährlich bei der Zusammenkunft der Konferenz der Sekretäre der christlichen Weltgemeinschaften, einem Forum, das seit mehr als vierzig Jahren die Generalsekretäre der Weltgemeinschaften zu informellen Kontakten und Gesprächen zusammengeführt hat. Es hat zahlreiche andere Kontakte auf nationaler und lokaler Ebene gegeben.

13. Seit kurzem haben Katholiken und Mennoniten hin und wieder damit begonnen, einander zu Treffen oder Veranstaltungen einzuladen, die sie jeweils organisiert haben. Auf internationaler Ebene hat Papst Johannes Paul II. die christlichen Weltgemeinschaften, einschließlich der Mennonitischen Weltkonferenz, eingeladen, am Friedensgebet in Assisi teilzunehmen, das im Oktober 1986 stattfand. Der Exekutivsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz, Paul Kraybill, hat an diesem Treffen teilgenommen. Die Mennonitische Weltkonferenz hat den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen eingeladen, einen Beobachter zu ihrer Weltversammlung im Januar 1997 in Kalkutta zu senden. Msgr. John Mutiso Mbinda nahm in Namen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen teil und überbrachte von dessen Präsident Edward Idris Kardinal Cassidy eine Botschaft, in der der Kardinal die “aufrichtige Hoffnung” zum Ausdruck brachte, “dass es weitere Kontakte zwischen der Mennonitischen Weltkonferenz und der Katholischen Kirche geben werde”. Nachdem der internationale mennonitisch – katholische Dialog 1998 begonnen hatte, gehörte die Mennonitische Weltkonferenz zu denjenigen, die Papst Johannes Paul II. einlud, Vertreter zu den Veranstaltungen in Rom im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr 2000 zu entsenden. Der mennonitische Ko-Präsident dieses Dialogs, Dr. Helmut Harder, nahm 1999 an einer Jubiläumsveranstaltung im Vatikan teil, die sich mit dem interreligiösen Dialog befasste. Erst kürzlich nahm der Präsident der Mennonitischen Weltkonferenz, Dr. Mesach Krisetya, die Einladung von Papst Johannes Paul II. an die Leiter der christlichen Weltgemeinschaften an und nahm am 24. Januar 2002 am Friedensgebet in Assisi teil. Um außerdem ein Beispiel aus dem nationalen Kontext zu nennen: Die nationale Konferenz der katholischen Bischöfe in den USA (4) suchte bei der Abfassung ihres pastoralen Schreibens über den Frieden im Jahre 1993 die Mithilfe kompetenter Persönlichkeiten, die nicht der Katholischen Kirche angehörten; dazu zählte der mennonitische Theologe John H. Yoder.

14. Dass ein mennonitisch – katholischer Dialog möglich und wünschenswert sei, trat im Rahmen informeller Kontakte während der Treffen der Konferenz der Sekretäre der christlichen Weltgemeinschaften in den Blick. Die Frage hatte sich zum ersten Mal in den frühen 1990er Jahren gestellt, und zwar in einem Gespräch zwischen Dr. Larry Miller, dem Exekutivsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz, und Bischof Pierre Duprey, dem Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Msgr. John Radano, ebenfalls vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Während der anschließenden jährlichen Treffen der Sekretäre der christlichen Weltgemeinschaften setzten Msgr. Radano und Dr. Miller die Diskussion über die Möglichkeit eines internationalen Dialogs fort. Das Bewusstsein, dass zeitgenössische historische Studien auf mittelalterliche Quellen einer Spiritualität hinweisen, die Katholiken und Mennoniten gemeinsam ist, und die Überzeugung, dass beide glauben, dass Friede die Mitte des Evangeliums ist, waren zwei besonders zwingende Gründe für einen Dialog. Man hatte auch das Empfinden, dass, wie in anderen Beziehungen zwischen getrennten Christen, eine Heilung der Erinnerungen zwischen Mennoniten und Katholiken notwendig sei. 1997 antworteten die Leiter beider Gemeinschaften positiv auf einen Vorschlag, dass ein mennonitisch – katholischer Dialog auf internationaler Ebene stattfinden sollte. Der Dialog, zu Beginn für einen Zeitraum von fünf Jahren geplant, begann im folgenden Jahr; er wurde auf katholischer Seite durch den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und auf mennonitischer Seite durch die Mennonitische Weltkonferenz organisiert.


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