Mennonitisch-Katholischer Dialog:1300

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Mennonitisch-Katholischer Dialog


C. Der Bruch zwischen Katholiken und Täufern


Ursprünge


38. Die Trennung der Täufer von der herrschenden Kirche im 16. Jahrhundert muß in dem größeren Zusammenhang mit den ersten Erscheinungsformen der Reformation verstanden werden. Die jeweiligen täuferischen Gruppen hatten verschiedene Ursprünge im Rahmen unterschiedlicher politischer, sozialer und religiöser Umstände.(12) Täuferische Bewegungen entstanden zuerst innerhalb der lutherischen und zwinglianischen Reformation in Süddeutschland und in der Schweiz während der 20er Jahre des 16. Jahrhunderts. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts brachen die täuferischen (mennonitischen) Bewegungen in den Niederlanden unmittelbarer mit der katholischen Kirche. Diese Brüche hingen mit dem Verständnis der Taufe, der Ekklesiologie, des Kirche-Staats-Verhältnisses und der Sozialethik zusammen. Die letztere beinhaltete auch die Ablehnung von Gewalt, die Ablehnung des Eides und in einigen Fällen die Ablehnung des Privateigentums. Für alle Zeitgenossen, aber besonders für die führenden Männer in Kirche und Staat muss dies eine äußerst verwirrende Situation gewesen sein. Es gab unterschiedliche und manchmal widersprüchliche Strömungen in der Täuferbewegung und in der Radikalen Reformation bezüglich des Gebrauchs des Schwertes. Dennoch stimmten alle täuferischen Bewegungen im Gegensatz zu den führenden Reformatoren wie z.B. Luther, Zwingli und Calvin in der Überzeugung überein, dass, weil Kinder nicht in der Lage sind, sich bewusst an Christus zu binden, nur Erwachsene getauft werden können, nachdem sie ihre Sünden bereut und ihren Glauben bekannt haben. Da die Täufer die Kindertaufe nicht als gültig ansahen, mussten diejenigen Christen, die als Kinder getauft worden waren, als Erwachsene wieder getauft werden. Die täuferischen Gruppen teilten andere Überzeugungen mit verwandten Strömungen der Radikalen Reformation. Während die ersten Täufer sich oft in Einklang mit den Idealen und der Theologie Luthers und Zwinglis sahen, veranlaßten ihre Ablehnung der Kindertaufe und andere theologische oder ethische Positionen sowohl Protestanten als auch Katholiken, sie zu verwerfen.

39. Diese Verwerfungen sollten auch in Verbindung mit der Katastrophe des Bauernkriegs (1524-1525) und dem “Königreich von Münster” in Westfalen verstanden werden. Für katholische Herrscher war die Bauernbewegung ein deutliches Zeichen des subversiven Charakters von Luthers Bruch mit Rom. Um sich gegen derartige Anklagen zu verteidigen, gaben Luther (und andere Reformatoren) die Schuld am Bauernkrieg den sogenannten “Schwärmern” oder “Täufern”. Es ist schwierig, historisch die Ursprünge des Täufertums im Zusammenhang mit der Volksbewegung auszumachen, die gewöhnlich als der “Bauernkrieg” bezeichnet wird. In den frühen Jahren der Reformation war alles noch im Fluß, und Historiker erkennen heute an, dass die Bewegungen oder Kirchen, die als “lutherisch”, “zwinglianisch” oder “täuferisch” bezeichnet werden, nicht immer deutlich zu erkennen oder voneinander unterschieden waren, besonders bis zu den tragischen Ereignissen von 1524-1525. Nichtsdestoweniger bestärkte das radikale Experiment des Königreichs von Münster, wo in den Jahren 1534-35 die sogenannten Melchioriten (Anhänger des täuferischen Laienpredigers Melchior Hoffman) ein gewalttätiges und doktrinäres Regiment errichteten, um den “Tag des Herrn” herbeizuführen, sowohl katholische als auch lutherische Autoritäten in ihrer Furcht vor der Täuferbewegung als einer ernsten Bedrohung für Kirche und Gesellschaft. Während viele täuferische Gruppen ihren Prinzipien der Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit treu waren, erlaubten dennoch einige Gruppen den Gebrauch des Schwerts, um das Reich Gottes aufzurichten.(13) Als Folge davon erhielt der Begriff “Täufer”, der sowohl in der katholischen als auch in der protestantischen Polemik verwendet wurde, die Nebenbedeutung von Rebellion und Anarchie. Man dachte oft, dass täuferische Gruppen, die gewaltlos zu sein behaupteten, dies nur aus Mangel an Macht deshalb taten. Die Herrscher dachten, dass von den Täufern wieder Gewalt angewendet würde, wenn sich die Gelegenheit dazu böte.

40. Aufgrund der engen Verbindung zwischen Kirche und Staat wirkte die Praxis der Wiedertaufe derjenigen, die als Kinder getauft worden waren, im 16. Jahrhundert äußerst provokativ. Für die katholische Kirche und die entstehenden protestantischen Kirchen konnte dies nur als häretisch gelten. Die Praxis der Wiedertaufe war schon im frühen 5. Jahrhundert verworfen worden, wie Augustinus’ Polemik gegen die Donatisten zeigt, eine schismatische Bewegung in Nordafrika, die alle Neulinge aus der herrschenden Kirche wieder taufte.(14) Auf staatlicher Seite setzte ein Gesetz der römischen Kaiser Honorius und Theodosius aus dem Jahre 413 schwere Strafen für das Praktizieren der Wiedertaufe fest. 529 bestimmte der Kaiser Justinian I. die Strafe genauer als Todesstrafe, als er das Edikt des Theodosius bei seiner Revision des römischen Rechts wiederaufnahm.(15) Auf der Grundlage dieses alten kaiserlichen Gesetzes gegen die Donatisten verkündete der Reichstag zu Speyer 1529 die Todesstrafe für alle Akte der “Wiedertaufe”.


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