Mennonitisch-Katholischer Dialog:1340

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Mennonitisch-Katholischer Dialog


Eine Ekklesiologie der Wiederherstellung


44. Die Frage nach der apostolischen Eigenschaft der Kirche schuf im Verlauf des 16. Jahrhunderts eine schärfere ekklesiologische Trennungslinie zwischen Katholiken und Täufern. Von den frühen Jahrhunderten an hatten die Christen in Ost und West die apostolische Nachfolge als durch das Bischofsamt vermittelt verstanden, weil dieses die Weitergabe des Glaubens und daher die Weitergabe der apostolischen Eigenschaft der Kirche durch die Jahrhunderte gewährleistete. Die Täufer des 16. Jahrhunderts lehnten im Gegensatz dazu die Idee einer apostolischen Kontinuität ab, die durch die verfasste Kirche garantiert wird. Sie begannen, vom “Fall” der Kirche zu sprechen und schilderten diesen als ein Zeichen ihrer Untreue. Diese Untreue schloß die Notwendigkeit ein, die “apostolische” Kirche wiederherzustellen. Die Katholiken und die meisten der obrigkeitshörigen Reformatoren betrachteten die Kinder-taufe als eine apostolische Tradition, die vom Beginn der Kirche an praktiziert wurde. Die Täufer erblickten im Gegensatz dazu in der allgemeinen Akzeptanz der Kindertaufe, verbunden mit den engen politischen Banden zwischen Kirche und Reich (Konstantin und Theodosius), die entscheidenden Zeichen des Abfalls von der apostolischen Sicht der treuen Kirche und daher als Beweis für den “Fall”. Für die Täufer wurde die Übereinstimmung mit den ethischen und lehrmäßigen Inhalten der neutestamentlichen Schriften zum Prüfstein für die Beurteilung eines apostolischen Christseins. Treue wurde nicht als Bewahrung institutioneller Kontinuität definiert, sondern als Wiederherstellung des neutestamentlichen Glaubens. In ihrer Sicht erforderte die Wiederherstellung und Bewahrung der apostolischen Kirche den Bruch mit der institutionalisierten Kirche ihrer Zeit. Man suchte Kontinuität nicht durch die Sukzession der Bischöfe, sondern eher durch die Treue zum apostolischen Zeugnis der Schrift und durch die Identifikation mit Menschen und Bewegungen. So wurden z.B. die Waldenser und die Franziskaner von den Täufern als treue Repräsentanten wahren Christseins im Laufe ihrer langen Geschichte betrachtet.(16)


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