Mennonitisch-Katholischer Dialog:1350
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Verfolgungen und Martyrium
45. Eine der Folgen der Trennung unter den Christen im 16. und 17. Jahrhundert waren ent-sprechend der Einstellung zum Gerichtswesen und zur Bestrafung in dieser Zeit Verfolgung und Martyrium.(17) Aufgrund der engen Beziehung zwischen Religion und Gesellschaft trug die Aufstellung des Prinzips cuius regio, eius religio (die Religion des Herrschers soll die verpflichtende Religion eines Territoriums oder Staates sein) beim Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 zu den schon stark negativen Gefühlen unter den getrennten Christen bei. Sie schuf eine Form von Gesellschaft, in der eine einzige spezielle christliche Konfession (katholisch, lutherisch und später reformiert) die Staatsreligion eines bestimmten Territoriums wurde. Diese Form von Gesellschaft, der sogenannte konfessionelle Staat, war durch Intoleranz gegenüber Menschen anderer christlicher Konfessionen geprägt. Aufgrund dieser speziellen und besonderen politischen Situation wurde das Martyrium eine gemeinsame Erfahrung für Christen aller Konfessionen, seien es Katholiken, Lutheraner, Reformierte, Anglikaner oder Täufer.
46. Die Mennoniten litten schwer in dieser Zeit, sowohl in protestantischen als auch in katholischen Staaten. Viele Regierungen duldeten keine Dissidenten der Radikalen Reformation, einschließlich der friedfertigen Täufer. Nach neueren Schätzungen wurden annähernd 5000 Menschen wegen ihres religiösen Glaubens im Laufe des 16. Jahrhunderts hingerichtet. Von diesen waren zwischen 2000 und 2500 Täufer und Mennoniten, Männer und Frauen, die Mehrheit von ihnen in katholischen Territorien, die wegen Häresie verurteilt wurden.(18) Täufer konnten kaum einen sicheren Hafen in Europa während des 16. Jahrhunderts finden. In einigen Ländern sollte die Verfolgung der Mennoniten Jahrhunderte fortdauern. In einigen Staaten wurden sie sogar bis ins 20. Jahrhundert benachteiligt und gesellschaftlichen und politischen Beschränkungen unterworfen, vor allem wegen ihrer prinzipiellen Haltung der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen.
47. Für Täufer und Mennoniten bedeutete Nachfolge in der Tat zugleich die Bereitschaft, Unterdrückung, Verfolgung und gewaltsamen Tod auf sich zu nehmen. Die Gefahr der Verfolgung und des Martyriums wurde ein Teil der mennonitischen Identität. So hat der mennonitische Gelehrte Cornelius Dyck geschrieben: “Die Möglichkeit des Martyriums hatte eine radikale Wirkung auf alle, die sich der Gruppe anschlossen – auf ihre Prioritäten, ihren Status und ihr Selbstverständnis”.(19) Mennoniten schätzten ihre Märtyrer in höchster Weise. Sie sangen von ihrem treuen Zeugnis und ehrten ihr Andenken, indem sie ihre Geschichten in Martyrologien sammelten wie Het Offer des Heeren (Das Opfer für den Herrn) und Thieleman Jans van Braght’s Martelaers Spiegel (Märtyrerspiegel), der heute noch weltweit in der mennoniti-schen Kirche gelesen wird.
48. Katholiken erlitten nie eine Verfolgung von seiten der Mennoniten.(20) Dennoch ist es bei der Betrachtung der täuferischen und mennonitischen Erfahrung des Martyriums und der Verfolgung wichtig festzustellen, dass auch Katholiken in ihrer nachmittelalterlichen Geschichte diese Erfahrung gekannt haben. In einigen Territorien, in denen die reformierte und die lutherische Konfession Staatsreligion war, und auch in England nach der Gründung der Kirche von England waren Katholiken der Verfolgung und der Todesstrafe ausgesetzt. Eine Anzahl von ihnen, besonders Priester, Mönche und Nonnen wurden wegen ihres Glaubens grausam gemartert. Katholikenverfolgung und Verletzung der Religionsfreiheit dauerten in einigen Ländern Jahrhunderte lang. Lange Zeit war die öffentliche Ausübung des katholischen Glaubens in England und in mehreren lutherischen Ländern wie in Skandinavien und in der Holländi-schen Republik nicht erlaubt. Katholiken konnten ihren Glauben in diesen Ländern erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts offen ausüben. Während dieser Jahre der Einschränkung waren sowohl Katholiken als auch Mennoniten in mehreren Ländern gezwungen, im Verborgenen zu leben.
