Mennonitisch-Katholischer Dialog:1520
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Mittelalterliche Traditionen der Spiritualität und Nachfolge und die Wurzeln der täuferisch-mennonitischen Identität
65. Ferner offenbart die mittelalterliche Kirche eine andauernde Tradition der christlichen Spiritualität, der Nachfolge und der Nachahmung Christi. Von der frühen monastischen Tradition bis zu den Bettelorden des Hochmittelalters und von den Bewegungen der Wanderprediger bis zu den Häusern der Schwestern und Brüder vom Gemeinsamen Leben waren mittelalterliche Christen auf der Suche nach dem, was der Ruf des Evangeliums für ihren Lebensweg bedeuten könnte.(34) Sie versuchten zu erkennen, wie ihre persönliche Beziehung zu Jesus ihr Leben verändern könnte. Der Begriff der Bekehrung bekam für sie eine neue und reale Bedeutung. Sie waren nicht nur Christen aus Gewohnheit oder durch Geburt.
66. Sowohl katholische als auch mennonitische Historiker haben unlängst gezeigt, dass mindestens ein Teil der spirituellen Wurzeln der täuferisch-mennonitischen Tradition in der mittelalterlichen Tradition der Nachfolge gefunden werden muß.(35) Schlüsselbegriffe der täufe-risch-mennonitischen Identität wie z.B. Gelassenheit, Nachfolge, Buße und Bekehrung wurden während des Mittelalters in allen Formen der spirituellen Traditionen entfaltet. Sie finden sich in der benediktinischen und in der franziskanischen Tradition, in der Tradition der deutschen Mystik und in der “Devotio moderna”. Mittelalterliche und nachmittelalterliche katholische Spiritualität auf der einen und täuferische und mennonitische Spiritualität auf der ande-ren Seite stehen wesentlich in Einklang im Hinblick auf ihr gemeinsames Ziel: heilig zu leben in Wort und Tat.
67. Die neuere Forschung hat auch gezeigt, dass sowohl die frühe täuferisch-mennonitische Tradition als auch andere Traditionen wie die lutherische Tradition dieselben katechetischen Grundlagen benutzten wie die mittelalterliche Christenheit. Beide Traditionen waren der Ansicht, dass das Vaterunser, das Apostolische Glaubensbekenntnis und die Zehn Gebote den wesentlichen Inhalt des christlichen Glaubens und der christlichen Lehre zum Ausdruck bringen und darstellen. In diesem Sinne standen die Quellen der frühen Täufer in einer klar zu identifizierenden mittelalterlichen Tradition. Wie ihre mittelalterlichen Vorgänger waren die Führer der Täufer der Ansicht, dass diese drei Texte die wesentlichen Elemente für das seien, was ein Christ wissen müsse. Sie erkannten die üblichen katechetischen Voraussetzungen der mittelalterlichen Tradition an und benutzten sie als Vorbedingung und Vorbereitung der Taufe.(36)
