Mennonitisch-Katholischer Dialog:1640
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Konvergenzen
93. Das Wesen der Kirche. Gemeinsam verstehen Katholiken und Mennoniten das Wesen der Kirche als das Volk Gottes, den Leib Christi und die Wohnung des Heiligen Geistes, Bilder, die aus der Schrift stammen. Katholiken und Mennoniten sind sich einig, dass die Kirche ins Leben gerufen, erhalten und geführt wird durch den dreieinen Gott, der sie nährt in “der Gnade Jesu Christi, des Herrn, in der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes” (2 Kor 13,13).
94. Die Gründung der Kirche. Wir sind uns einig, dass die Kirche “auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut ist; der Schlussstein ist Christus selbst” (Eph 2,20; vgl. 1 Kor 3,11). Katholiken und Mennoniten stimmen darin überein und lehren, dass der Glaube der Kirche auf die Autorität der Schrift, die Zeugnis ablegt für Christus, gegründet ist und seinen Ausdruck findet in den alten Glaubensbekenntnissen der Kirche wie dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und dem Nizänokonstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis.(74) Katholiken und Mennoniten vertreten beide, dass die Schrift die höchste Autorität für den Glauben und das Leben der Kirche ist.(75) Beide vertreten die Inspiration durch den Heiligen Geist bei der Entstehung der Schrift. Katholiken sprechen von dem von Gott Geoffenbarten, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt und das unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden ist.(76) Mennoniten sprechen in ähnlicher Weise von der Schrift als dem aufgeschriebenen Wort Gottes.(77)
95. Eingliederung in den Leib Christi. Wir sind uns einig, dass die Einladung, Gottes treues Volk zu sein, allen im Namen Jesu Christi angeboten wird. Durch die Taufe werden wir Glieder der Kirche, des Leibes Christi.(78) Die großzügigen Gaben des Heiligen Geistes, die der Gemeinde der Glaubenden gegeben werden, befähigen jedes Glied, in einem lebenslangen Prozess in der Christusähnlichkeit zu wachsen. Die Eucharistie bzw. das Abendmahl verbindet die Gläubigen in der Kirche, indem sie bzw. es deren Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott und untereinander stärkt.
96. Die Sendung der Kirche. Katholiken und Mennoniten sind sich einig, dass Mission zum Wesen der Kirche gehört. Ermächtigt und ausgestattet durch den Heiligen Geist, dessen Kommen durch Jesus Christus verheißen wurde, ist es die Sendung der Kirche, die frohe Botschaft von der Erlösung allen Völkern zu bringen durch die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat bis an die Grenzen der Erde (vgl. Is 2,1-4; Mt 28,16-20; Eph 4,11ff.).Ein mennonitisches Glaubensbekenntnis von 1995 erklärt: “Wir glauben, dass die Sendung der Gemeinde darin besteht, das Reich Gottes zu verkünden und selbst ein Zeichen dafür zu sein”.(79) Wir stimmen auch darin überein, dass die Sendung der Kirche in der Welt ausgeführt wird durch alle, die Jesus Christus nachfolgen, sowohl Amtsträger als auch Laien.(80) Eine Dimension der kirchlichen Sendung wird Wirklichkeit, wenn die Kirche unter Menschen aller Nationen anwesend ist. Dadurch wird die von Gott bestimmte Einheit der Menschheit als ein einziges Volk des Glaubens aus Menschen aller Sprachen und Nationen ins Leben gerufen (Eph 4,4-6; Phil 2,11).(81) Die Sendung erfordert, dass die Christen danach streben, “eins” zu werden um ihres Zeugnisses für Christus und den Vater willen (Joh 17,20-21), und dass sie bemüht sind, “die Einheit zu wahren durch das Band des Friedens”(Eph 4,3).(82) Es gehört zur Sendung der Kirche, der Welt Jesus Christus zu zeigen und das Werk Christi auf Erden fortzuführen.
97. Die Sichtbarkeit der Kirche. Wir sind uns einig, dass die Kirche eine sichtbare Gemeinde der Gläubigen ist, die ihren Ursprung in der göttlichen Berufung hat, ein treues Volk zu sein zu jeder Zeit und an jedem Ort. Die sichtbare Kirche wurde vorausgebildet in der Schaffung des alttestamentlichen Gottesvolkes und wurde durch Christi Blut erneuert und ausgeweitet als die eine neue Menschheit (Gen 12,1-3; Eph 2,13-15; 1 Petr 2,9-10). Gemeinsam würdigen wir das biblische Bild von der Kirche als “Licht der Welt” und “Stadt auf dem Berge” (Mt 5,14). Entsprechend wird die Sichtbarkeit der Kirche offenbar, wenn ihre Glieder in Wort und Tat öffentlich Zeugnis ablegen für ihren Glauben an Christus.(83)
98. Die Einheit der Kirche. Gemeinsam mit anderen Jüngern Christi nehmen Katholiken und Mennoniten den Schrifttext ernst, der die Christen aufruft, eins zu sein in Christus. Wir gestehen, dass unser Zeugnis für die Offenbarung Gottes in Christus geschwächt wird, wenn wir in Uneinigkeit leben (Joh 17,20-23). Gemeinsam hören wir den Ruf, “die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens” (Eph 3,4). Gemeinsam fragen wir: Was bedeutet es für die Kirchen zu bekennen “ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller” (Eph 4,5-6)? Gemeinsam beten wir das Vaterunser und bitten Gott, dass sein Reich unter uns komme.
99. Die Kirche als Gegenwart und Verheißung der Erlösung. Katholiken und Mennoniten sind sich einig, dass die Kirche ein auserwähltes Zeichen der Gegenwart Gottes und der Verheißung der Erlösung für die ganze Schöpfung ist. Katholiken sagen dies aus, indem sie erklären, dass die Kirche “das allumfassende Sakrament des Heils ist, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und verwirklicht”.(84) Mennoniten bringen den Verheißungscharakter der Kirche zum Ausdruck, indem sie verkünden, dass “in Gottes Volk die Erneuerung der Welt begonnen hat”(85) und dass “die Kirche die neue Gemeinde der Jünger ist, die in die Welt gesandt sind, das Reich Gottes zu verkünden und einen Vorgeschmack der herrlichen Hoffnung der Kirche zu geben”.(86) Wir sind uns einig, dass die Kirche noch unterwegs ist zu ihrem himmlischen Ziel, und wir glauben, dass Gott die treue Kirche unterstützen wird bis zur Verwirklichung ihrer herrlichen Hoffnung.(87) Hier und jetzt läßt die Kirche Zeichen ihres eschatologischen Charakters erkennen und gibt so einen Vorgeschmack der noch ausstehenden Herrlichkeit.
100. Das Amt der Kirche. Wir sind uns einig, dass das Amt der ganzen Kirche zukommt und dass es eine Mannigfaltigkeit von Gaben des Amtes gibt, die zum Wohle aller verliehen werden. Wir sind uns auch einig, dass gewählte Leiter, Ordinierte und Laien, wesentlich Diener des Volkes Gottes sind, berufen, “die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi” (Eph 4,12). 101. Heiligkeit und Nachfolge. Katholiken und Mennoniten streben voll Eifer gemeinsam nach einem Leben der Heiligkeit, das durch die Hingabe an Christus und das Wort Gottes motiviert ist und in einer Spiritualität der Nachfolge und des Gehorsams verwirklicht wird (Mt 5-7; Röm 12; Eph 2,6-10).(89) Das frei angenommene Geschenk des Glaubens liefert die Motivation zu christlichen Werken, die der Welt dargebracht werden als Danksagung für die überströmende Gnade, die uns von Gott geschenkt worden ist. Das Leben der Nachfolge und der Heiligkeit wird auf verschiedene Weise benannt und zum Ausdruck gebracht: als “Nachfolge Christi”, “Nachahmung Christi” (imitatio Christi), Christusähnlichkeit und Hingabe an Christus.
102. Erziehung und Bildung. Wir sind gemeinsam der Ansicht, daß eine christliche Erziehung notwendig ist, durch die die einzelnen zum Verstehen und zur Annahme ihres Glaubens kommen und Verantwortung für seine Umsetzung in Leben und Zeugnis übernehmen (Phil 2,12 ff.). In Mennonitengemeinden wird die christliche Erziehung in vielfältiger Weise gefördert: Schriftlesung, Predigt, Unterweisung vor der Taufe, Sonntagsschulen für alle Altersstufen, Ehevorbereitung, Studienkreise, Tagesschulen für Kinder und Jugendliche, Nachfolgeprogramme, Bibelschulen, Hochschul- und Seminarprogramme und Schulung für Freiwilligendienste für daheim und auswärts. In katholischen Gemeinden findet Bildung statt in der Sakramentenvorbereitung (Taufe, Firmung, Eucharistie), einschließlich des Ritus der christlichen Initiation für Erwachsene und Taufvorbereitung für Eltern und Paten; ferner in Homilien, Ehevorbereitung, Religionsunterricht, Erwachsenenbildung, Hochschul- und Seminarprogrammen und für einige in freiwilligen Dienstprogrammen. Spezialbildung wird für Laien und für diejenigen, die pastorale Aufgaben in der Kirche übernehmen, sehr empfohlen.(90)
