Mennonitisch-Katholischer Dialog:1650
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Divergenzen
103. Die Kirche und die Autorität der Tradition. Katholiken und Mennoniten unterscheiden sich in ihrem Verständnis des Verhältnisses von Schrift und Tradition/Überlieferungen(91) und in ihrem Verständnis der Autorität der Tradition/Überlieferungen. Katholiken sagen von Schrift und Tradition, dass sie den einen der Kirche anvertrauten heiligen Schatz des Wortes Gottes bilden.(92) Die Heilige Tradition, die von den Aposteln herkommt, ist das Mittel, durch das die Kirche zur Erkenntnis des vollen Kanons der Heiligen Schrift gelangt und den Inhalt der göttlichen Offenbarung versteht. Die Tradition übermittelt in ihrer Gesamtheit das Wort Gottes, das den Aposteln durch Christus und den Heiligen Geist anvertraut worden ist. Die Heilige Tradition, die Heilige Schrift und die Lehrautorität der Kirche sind gemäß Gottes allweisem Plan so miteinander verbunden und gehören so zusammen, dass die eine nicht ohne die andere bestehen kann und dass alle zusammen und jede auf ihre eigene Weise unter dem Handeln des einen Heiligen Geistes wirksam zur Rettung der Seelen beitragen.(93) Mennoniten verstehen die Überlieferung als die nachbiblische Entwicklung der christlichen Lehre und Praxis. Die Kirche muß beständig ihre Lehre und Praxis im Licht der Schrift überprüfen und korrigieren. Die Überlieferung wird hoch geschätzt, doch sie kann verändert oder gar ins Ge-genteil verkehrt werden; darum wird sie der Kritik der Schrift unterstellt.
104. Eingliederung in die Kirche. Wer in die Kirche eingegliedert werden kann und durch welche Mittel das geschieht, das verstehen Mennoniten und Katholiken in unterschiedlicher Weise. Für Katholiken gilt:
“Durch das Sakrament der Taufe wird ein Mensch ganz in Christus und in seine Kir-che eingegliedert. Durch sie wird er wiedergeboren zur Teilhabe am göttlichen Leben. Die Taufe begründet somit das sakramentale Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind. Die Taufe in sich ist ein Beginn, da sie danach strebt, die Fülle des Lebens in Christus zu erlangen,”(94)
die sich in der Feier der Firmung und im Empfang der Eucharistie ereignet. Die Eucharistie ist der Gipfel der Initiation, weil die volle Eingliederung eines Menschen in den kirchlichen Leib durch die Teilhabe an Christi eucharistischem Leib geschieht. Die Tatsache, daß kleine Kinder noch nicht ihren persönlichen Glauben bekennen können, hält die Kirche nicht davon ab, sie zu taufen, weil die Kirche sie in Wirklichkeit durch ihren und in ihrem eigenen Glauben tauft. Für Mennoniten folgt die Gliedschaft in der Kirche auf die Erwachsenentaufe, während Kinder der Liebe Gottes und der Gnade Christi bis zu der Zeit anvertraut werden, in der sie frei die Taufe erbitten und in die Gemeindeaufgenommen werden.
105. Die Struktur der Kirche. Für Katholiken besteht die sichtbare Kirche Christi aus Teilkirchen, die um ihre Bischöfe versammelt geeint sind, wobei die Bischöfe in Gemeinschaft miteinander stehen und mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger des heiligen Petrus. Für Mennoniten wird die Kirche primär in der Ortsgemeinde sichtbar und in den verschiedenen Gruppierungen von Gemeinden, die unterschiedlich Konferenzen, Verbände, Arbeitsgemeinschaften und/oder Denominationen genannt werden.
106. Amt, Autorität und Leitung. In der täuferisch-mennonitischen Tradition werden die mit Gemeindeleitung Beauftragten, sowohl Männer als auch Frauen, gewählt und autorisiert durch die Gemeinde und/oder durch regionale Gruppen von Gemeinden. In einigen mennonitischen Kirchen ist es üblich, die Leiter auf Lebenszeit zu ordinieren. In anderen gilt die Ordination für einen bestimmten Zeitraum. Mennoniten haben kein hierarchisches Priestertum. Als “Priester Gottes” haben alle Gläubigen Zugang zu Gott durch den Glauben.(95) Obwohl Katholiken das “gemeinsame Priestertum aller Gläubigen”(96) lehren, halten sie an einem hierarchischen Amtspriestertum fest, das sich von ersterem “dem Wesen und nicht nur dem Grade nach” unterscheidet.(97) Es hat seine Wurzeln im Priestertum Christi und leitet seine Autorität vom Priestertum Christi her. Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Handauflegung verleiht das Weihesakrament Bischöfen, Priestern und Diakonen die Gaben für den Dienst in der Kirche. Laien und Kleriker haben Anteil an der grundlegenden Gleichheit aller Getauften in dem einen Volk Gottes und dem einen Priestertum Jesu Christi.(98) Die Differen-zierung der Ämter und Aufgaben in der katholischen Kirche spiegelt die Mannigfaltigkeit der Gaben wieder, die dem einen Leib Christi durch den einen Geist zum Wohle aller verliehen werden (1 Kor 12).(99)
