Mennonitisch-Katholischer Dialog:1730

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Mennonitisch-Katholischer Dialog


Taufe


121. Im täuferisch-mennonitischen Verständnis leitet die Taufe ihre Bedeutung aus den bibli-schen Berichten über Taufen ab – der Taufe Jesu (Mt 3.13-17; Lk 3,21-22; Joh 1,29-34) und die derjenigen, die im Namen Jesu getauft wurden (z.B. Apg 2,41) – und auch aus den biblischen Zeugnissen über die Bedeutung der Taufe (z.B. Röm 6,3-4; Kol 2,12; 1 Joh 5,7-8). Die Erwägung dieser Texte führt zu einem Verständnis der Taufe mit Wasser als einem Zeichen, das auf drei miteinander verbundene Dimensionen der christlichen Initiation und Bildung verweist(118) : 1) In der Taufe legt eine Person vor der Gemeinde Zeugnis ab, dass er/sie sei-ne/ihre Sünden bereut hat, die Gnade Gottes empfangen hat und von aller Ungerechtigkeit gereinigt worden ist (Ez 36,25; Apg 2,38). Die Taufe ist so das Zeichen eines guten Gewissens vor Gott und der Kirche. 2) Die Taufe mit Wasser bezeichnet die Ausgießung des Heiligen Geistes im Leben des Christen (Apg 2,17,33). Die Taufe ist so von seiten dessen/deren, der/die getauft wird, eine Anerkennung der Gegenwart des Geistes in seinem/ihrem Glaubensleben. 3) Die Taufe ist für die Gemeinde ein öffentliches Zeichen, dass eine Person den Weg Christi zu gehen begehrt. Dieses Gehen wird in Schriften der Täufer manchmal als “Wandeln in der Auferstehung” bezeichnet.(119)

122. Die Taufverpflichtung zu Glaube und Treue ist keine Handlung eines einzelnen, da Taufe und Gemeindegliedschaft untrennbar sind. Ein Mensch wird in “den einen Leib getauft” (1 Kor 12,13), den Leib Christi, die Kirche. Wenn der Taufbewerber seinen Glauben bekennt, bekennt er den Glauben der Kirche, und das Bekenntnis wird im Rahmen der Gemeinde der Glaubenden abgelegt, mit welcher der Getaufte als ein verantwortliches Glied verbunden wird. Das neue Gemeindeglied erklärt seine Bereitschaft, Liebe und Rat zu geben und zu empfangen und am Leben und an der Sendung der Kirche teilzunehmen. Der einzelne ist in einer tiefen personalen Weise mit dem dreifaltigen Gott verbunden und auch gemeinsam in und mit der Gemeinde der Glaubenden, in der die Gnade erfahren und der Glaube in und mit dem Volk Gottes bekannt wird.

123. Sowohl mennonitische Bekenntnisdokumente als auch die jahrhundertealte Praxis legen nahe, dass die Taufe nicht nur als ein Zeichen verstanden wird, das über das Taufritual hinaus auf seine historische und geistliche Bedeutung verweist, sondern dass in und durch die Taufe der einzelne und die Glaubensgemeinschaft eine wirksame Veränderung erfahren. Das Dordrechter Bekenntnis (1632) sagt z.B., dass alle bußfertigen Gläubigen mit Wasser getauft werden sollen, “zur Begrabung ihrer Sünden und so in die Gemeinschaft der Heiligen einverleibet werden”.(120) Hier erscheint die Teilnahme an der Taufhandlung als wirksame Beseitigung der Sünden. Eine Aussage zur Taufe im Bekenntnis von Hans Ries (1766) spricht von der Taufe als einem Mittel geistlichen Segens, geistlicher Wiedergeburt und Erneuerung: “Wenn daher die christliche Taufe ehrfürchtig begehrt, gespendet und empfangen wird, schätzen wir sie hoch als ein Mittel, geistlichen Segen zu erhalten und zu empfangen, nicht weniger als eine Waschung zur Wiedergeburt und Erneuerung durch den Heiligen Geist”.(121) Jüngere mennonitische Bekenntnisdokumente zur Taufe zeigen ebenfalls die Erwartung einer Umwandlung aufgrund der Teilnahme an der Ordnung. Das Glaubensbekenntnis der Mennoniten in Kanada (1930) erklärt:

“Die Taufe ist eine Einverleibung in Christus und seine Kirche und der Bund eines guten Gewissens vor Gott. Sie bezeichnet das Begräbnis unseres alten Lebens in Christi Tod und verbindet die Getauften in Einheit mit Christus in einem neuen Leben des Gehorsams, um ihm in seinen Fußstapfen zu folgen und zu tun, was er ihnen aufgetra-gen hat”.(122)

Obwohl mennonitische Theologie und mennonitische Bekenntnisdokumente anerkennen, dass im Taufakt wirklich “etwas geschieht”, ist die Umwandlung durch die Taufe in und durch den Ritus nur denkbar, falls und wenn sie in Glaube und Leben des einzelnen, der die Taufe empfängt, und der taufenden Gemeinde bewahrheitet wird.

124. Der mennonitische Brauch der Erwachsenentaufe wird manchmal als “Gläubigentaufe” bezeichnet. Die Taufe wird Jugendlichen und Erwachsenen vorbehalten, die sie aus freien Stücken begehren und deren Entschluß darauf beruht, dass sie Jesus Christus als ihren persönlichen Erlöser und Herrn angenommen haben. Das setzt auf Seiten dessen, der getauft wird, voraus, dass er fähig ist, seine Vernunft zu gebrauchen und persönlich seinen Glauben zu verantworten sowie am Leben der Kirche verantwortungsvoll teilzunehmen. Die Taufe wird gespendet “nach Christi Befehl und Lehre und nach dem Beispiel und Gebrauch der Apostel”.(123) Ein Mensch wird getauft mit Wasser im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Nach mennonitischem Verständnis schließt die Taufe die Unterweisung im Wort Gottes und im Weg der Nachfolge (Mt 28,19 f.) ein. Die Taufform besteht entweder im Übergießen des Täuflings mit Wasser (Ausgießen oder Besprengen) oder durch Untertauchen des Täuflings im Wasser.(124)

125. Die mennonnitische Kirche feiert das Abendmahl gemäß der Einsetzung des Mahls durch Jesus und der Lehre des Neuen Testaments bezüglich seiner Bedeutung: 1) Das Abendmahl ist ein Erinnerungsmahl, bei dem die Teilnehmer sich dankbar daran erinnern, dass Jesus litt, starb und auferweckt wurde um aller Menschen willen und seinen Leib opferte und sein Blut vergoß zur Vergebung der Sünden (Mt 26,26; 1 Kor 11,23.25). 2) Das Abendmahl ist ein Zeichen, das für den Neuen Bund Zeugnis ablegt, der in und durch Christi Tod und Auferstehung begründet wurde, und somit eine Einladung an die Teilnehmer, ihren Bund mit Christus zu erneuern (Jer 31,33-35; Mk 14,24; 1 Kor 11,25). 3) Das Abendmahl ist ein Zeichen der Teilhabe der Kirche als ganzer an Christi Leib und Blut, eine Anerkennung, dass die Kirche durch Christus, das Brot des Lebens, erhalten wird, und somit eine Einladung an die Glieder der Kirche, eins zu sein (Lk 22,19 f.; 1 Kor 10,16 f.). 4) Das Mahl ist eine Verkündigung des Todes des Herrn, eine freudige Feier der Hoffnung auf sein Wiederkommen und ein Vorgeschmack des himmlischen Festmahls der Erlösten und eine Gelegenheit, von neuem den Ruf zu vernehmen, dem Herrn zu dienen in einem Opferleben, bis er wiederkommt (Lk 22,28-30; 1 Kor 11,26).

126. Obwohl in der mennonitischen Bekenntnistradition fortwährend hervorgehoben wird, dass das Abendmahl ein Gedächtnis und ein Zeichen ist, lehnen mennonitische Glaubensbekenntnisse die wirksame Kraft der Ordnung nicht ab, die Teilnehmer und die Gemeinde der Glaubenden zu verwandeln. Das Schleitheimer Bekenntnis (1527) beschreibt die Gemeinschaft der wahrhaft Gläubigen “als zu einem Leib zusammen mit allen Kindern Gottes”.(125) Dies legt nahe, dass die Gemeinde in einem geistlichen Sinn der Leib, das Brot, wird. Etwas von dieser Kraft, die mit dem Teilen des Brotes verbunden ist, wird empfunden und erkannt, wenn Brüder und Schwestern sich während des Kommuniongottesdienstes auf eine geistliche Nähe berufen und wenn sie den Gottesdienst “gewandelt” verlassen. In ihrer Aussage über das Abendmahl stellt das Bekenntnis von Hans Ris die Gegenwart dieser geistlichen Kraft fest, wenn sie erklärt: “Von Seiten Gottes und Christi dient [das Abendmahl] als ein Mittel, in der nachdrücklichsten Weise die großen Segnungen des Evangeliums unter uns zu festigen und zu besiegeln”.(126) Ein mennonitisches Glaubensbekenntnis (1995) erklärt: “Wenn wir an der Gemeinschaft des Brotes und des Kelches teilnehmen, hat die versammelte Schar der Glaubenden Anteil an Leib und Blut Christi und erkennt von neuem, dass ihr Leben von dem, der das Brot des Lebens ist, gehalten wird”.(127) Der Schlüssel zum Verständnis liegt nicht in den Elementen als solchen, sondern im Zusammenhang des Ganzen, einschließlich der Kommunion der versammelten Gemeinde, dem andächtigen Verlangen aller einzelnen und der geistlichen Gegenwart, die mit Hilfe geeigneter Symbole und einer angemessenen Liturgie verdeutlicht und repräsentiert wird.(128)

127. Die Einladung, am Abendmahl teilzunehmen, ist offen für alle getauften Gläubigen, die als rechte Jünger mit ihrem Herrn und mit der Gemeinde verbunden sind und die durch Gottes Gnade gemäß dem Beispiel und der Lehre Christi zu leben suchen. Vom Beginn der täuferisch-mennonitischen Bewegung an verstand man die Einheit des Leibes der Gläubigen als eine wünschenswerte Voraussetzung für das Hinzutreten zum Tisch des Herrn.(129) Wie kann es, so fragt man, eine Teilnahme geben, wenn es kein Streben nach der Einheit des einen Leibes Christi gibt? Die Betonung, dass zur Vorbereitung auf das Abendmahl sicherzustellen sei, dass die Teilnehmer in der “rechten” Beziehung zu ihren Brüdern und Schwestern in der Kirche stehen, ist ein unterscheidendes Merkmal der mennonitischen Praxis der Heiligen Kommunion.


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