Mennonitisch-Katholischer Dialog:1840

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Mennonitisch-Katholischer Dialog


Divergenzen


186. Kirche und Gesellschaft. Während Katholiken und Mennoniten die politische Autorität als Teil der von Gott gegebenen menschlichen Ordnung der Welt betrachten, neigen sie in der Frage nach der Teilnahme an der Regierung zu unterschiedlichen Antworten. Katholiken verstehen die soziale Natur des Menschen als durch Christi Leben und Lehre gesegnet.(185) Teilnahme an der Regierung wird hoch geschätzt und gefördert als ein Beitrag zum Gemeinwohl, und Militärdienst wird geachtet.(186) Zugleich werden gewaltfreies Handeln, Widerspruch aus Gewissensgründen und Widerstand gegen unmoralische Befehle mit Nachdruck unterstützt.(187) Aufgrund ihrer langen Geschichte von Verfolgung und Diskriminierung haben Mennoniten dazu geneigt, dem Staat zu misstrauen. Sie neigen noch heute dazu, eine Einbeziehung von Christen in die Regierung wegen der damit verbundenen Anwendung von Gewalt und der möglichen Korruption der Macht kritisch zu betrachten.

187. Gewaltfreiheit und Gerechter Krieg. Mennoniten beziehen Gewaltfreiheit als eine wesentliche Komponente der Nachfolge in dem Sinne mit ein, dass sie im Prinzip die Anwendung von Gewalt in allen Situationen ablehnen. In Konfliktsituationen erkennen jedoch sowohl Katholiken als auch Mennoniten an, dass der Staat oder internationale Autoritäten, wenn jeder Rückgriff auf gewaltlose Mittel versagt hat, zur Verteidigung Unschuldiger Gewalt anwenden dürfen. Nach mennonitischer Auffassung sollten Christen jedoch an derartigen Akti-onen nicht teilnehmen.(188) Nach katholischer Auffassung haben Christen die Verpflichtung, “soweit es möglich ist, mit allen Menschen Frieden zu halten” (Röm 12,18) und ihre Regie-rungen zu ermutigen, Streitigkeiten friedvoll zu lösen, aber unter außergewöhnlichen Um-ständen dürfen Christen zur Verteidigung Unschuldiger unter einer legitimen Autorität zu den Waffen greifen. Kriegsdienst kann tugendhaft sein, aber die Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen wird auch respektiert. Die Position des Gerechten Krieges hält Mittel bereit, sowohl um Konflikte zu verhindern oder zu begrenzen als auch um die Anwendung von Gewalt durch politische Autoritäten zu rechtfertigen. Das Prinzip der “rechten Intention” verlangt, dass Gewalt nur angewandt wird, um den Frieden wiederherzustellen und Unschuldige zu schützen, und nicht aus einer Gesinnung der Rache, einem Streben nach Herrschaft oder aus anderen Motiven, die mit der Feindesliebe unvereinbar sind.

188. Mennoniten und Katholiken haben ziemlich unterschiedliche Ansichten über die Wehrlosigkeit. Mennoniten halten prinzipiell ohne Ausnahme an der Wehrlosigkeit fest, während Katholiken den Verzicht auf Widerstand bejahen, aber Ausnahmen zulassen. Für Mennoniten ist Wehrlosigkeit ein Teil des neuen Weges Jesu (Mt 5,38-41). Man erwartet, dass Christen berufen sind, an den Prinzipien einer Ethik, die im “neuen Weg” enthalten sind, festzuhalten, und dass es durch die Kraft des Heiligen Geistes und die ermunternde Hilfe der Christengemeinde möglich ist, in Treue den Weg zu gehen. Für Katholiken ist der Verzicht auf Widerstand “ein Rat zur Vollkommenheit”, und Katholiken sind wie alle Menschen guten Willens aufgerufen, schwerem öffentlichen Übel, wenn überhaupt möglich, ohne Gewalt zu widerstehen, aber unter außergewöhnlichen Umständen durch begrenzte Gewaltanwendung, die durch die öffentlichen Autoritäten ausgeübt wird.(189)


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