Mennonitisch-Katholischer Dialog:1930
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Stellungnahme der katholischen Delegation
199. Obwohl eine Bereitschaft zur Buße hinsichtlich der Trennungen unter den Christen im Zweiten Vatikanischen Konzil zum Ausdruck kam, unternahm die katholische Kirche einen weiteren Schritt während des Heiligen Jahres 2000 am 12. März, dem “Tag der Vergebung”. In der katholischen Tradition ist das Heilige Jahr ein Jahr der Reinigung. So sprach Papst Johannes Paul II., “um die Gewissen aufzurütteln und die Christen zu befähigen, offener für Gott und seinen liebevollen Plan in das dritte Jahrtausend einzutreten”,(198) während der Messe am ersten Fastensonntag als Leiter der katholischen Kirche ein allgemeines Gebet, das ein Bekenntnis der Sünden enthielt, die von Gliedern der Kirche während des vergangenen Jahr-tausends begangen worden sind, sowie eine Bitte an Gott um Vergebung. Er stellte fest, dass, “obwohl die Kirche heilig ist, weil Christus ihr Haupt und ihr Bräutigam ist [und] der Geist ihre lebensspendende Seele ist, ... die Kinder der Kirche [dennoch] die Erfahrung der Sünde kennen ... Aus diesem Grund hört die Kirche nicht auf, Gott um Vergebung für die Sünden ihrer Glieder anzuflehen”.(199) Zwei der sieben Arten von Sünden, von denen gesagt wurde, dass sie im vorigen Jahrtausend begangen worden seien und die folglich an diesem Tag bekannt wurden, waren “Sünden, die der Einheit der Kirche geschadet haben” und “Sünden, die im Dienste der Wahrheit begangen wurden”.(200) In der Fastenmesse wurden diese Arten von Sünden in einer allgemeinen Form vorgetragen, ohne spezielle Fälle oder Situationen zu nennen.
200. Während der Zeremonie gab es ein Bekenntnis der “Sünden, welche die Einheit des Leibes Christi verwundet und die geschwisterliche Liebe verletzt haben”. Im Namen der katholischen Kirche bat der Papst Gott, den Vater: Obwohl “dein Sohn in der Nacht vor seinem Leiden um die Einheit derer betete, die an ihn glauben .... haben Gläubige [dennoch] Gegensätze und Spaltungen geschaffen und einander verurteilt und bekämpft”. Daher, so schloß er, “rufen wir inständig dein Erbarmen an und bitten dich um ein reumütiges Herz, damit alle Christen sich in dir und untereinander aussöhnen. In einem Leib und einem Geist vereint, sollen sie die Freude über die volle Gemeinschaft wieder erleben dürfen”.(201)
201. Im Blick auf das “Bekenntnis der Sünden, die im Dienst der Wahrheit begangen wurden”, bat das Einleitungsgebet, dass jeder von uns anerkennt, “dass auch Menschen der Kirche im Namen des Glaubens und der Moral in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben, die dem Evangelium nicht entsprechen”. Das Gebet, das der Papst dann sprach, rief in Erinnerung, dass “in manchen Zeiten der Geschichte die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen haben. Indem sie dem großen Gebot der Liebe nicht folgten, haben sie das Antlitz der Kirche, deiner Braut, entstellt”. Dann betete er: “Erbarme dich deiner sündigen Kinder und nimm unseren Vorsatz an, der Wahrheit in der Milde der Liebe zu dienen und sich dabei bewußt zu bleiben, dass sich die Wahrheit nur in der Kraft der Wahrheit selbst durchsetzt”.(202)
202. Katholiken werden heute ermutigt, auf die Konflikte und Trennungen unter den Christen im allgemeinen und, in unserem Zusammenhang auf die Konflikte zwischen Mennoniten und Katholiken, im Lichte dieses Bußrufs zu blicken, der während des “Tages der Vergebung” zum Ausdruck gebracht wurde. Katholiken erkennen ihrerseits im Geist des “Tages der Vergebung” an, dass selbst die Erwägung mildernder Umstände wie z.B. der kulturellen Bedingungen in früheren Jahrhunderten, welche häufig zur Schaffung von Gegebenheiten führten, die Unduldsamkeit rechtfertigten, “die Kirche nicht von der Pflicht entbindet, zutiefst die Schwachheit so vieler ihrer Söhne und Töchter zu bedauern”.(203) Ohne der Wahrheit zu schaden, können Katholiken in diesem Dialog diese Bereitschaft zur Buße auf die Konflikte zwischen Katholiken und Mennoniten im 16. Jahrhundert anwenden; sie können eine Bereitschaft zur Buße zum Ausdruck bringen, um Vergebung für alle Sünden bitten, die gegen Mennoniten begangen wurden, Gottes Erbarmen deswegen anrufen und Gottes Segen für eine neue Beziehung zu den Mennoniten heute erbitten. Unsere Empfindungen treffen sich mit denen, die Kardinal Walter Kasper äußerte, als er zu den Vertretern der Mennonitischen Weltkonferenz aus der katholisch – mennonitischen Dialoggruppe anlässlich ihres Besuchs in Rom im November 2001 sprach:
“Ist es nicht so, dass wir, Katholiken und Mennoniten, einander verurteilt haben? Jeder meinte, der andere sei vom apostolischen Glauben abgewichen. Laßt uns vergeben und um Vergebung bitten. Die Autoritäten in vergangenen Jahrhunderten haben Probleme in der Gesellschaft oft mit strengen Mitteln gelöst; sie bestraften diejenigen, welche die Gesellschaft zu untergraben schienen, mit Kerker oder mit dem Tode. Im 16. Jahrhundert gehörten vor allem die Täufer zu denen, die in dieser Hinsicht schwer zu leiden hatten. Ich bedauere gewiß solche Fälle, wenn diese in katholischen Gesellschaften vorfielen.”
