Miniaturbibel

Aus MennoPedia

Wechseln zu: Navigation, Suche

"Die Miniaturbibel" war eine neue Bibelübersetzung von Franz Eugen Schlachter, die stark an die Luther-Bibel, aber auch an die alte Zürcher Bibel angelehnt war. Sie ist die Urfassung der Schlachter-Bibel.

Entstehung

Schlachter berichtet im Correspondenzblatt der A.P.S (Alt-Prediger-Schüler) der Predigerschule in Basel von der Entstehung der Miniaturbibel, dass er nämliche eine mit einem Leerblatt durchschossene Zürcher Bibel dazu benutzte. Er verglich dann den Text mit den Grundtexten, Lexika, Wörterbüchern usw. und fertigte so im Laufe der Jahre eine eigene Übersetzung, die Miniaturbibel, an. Es las die Bibel laufend in den Grundsprachen und schlug jedes Wort in guten Wörterbüchern nach. Das Buch Hiob war der erste Teil der Bibel, die er übersetzte und in einer Sonderbroschüre herausgab.

Eigenheiten

Die Miniaturbibel war aber sinngemäß urtextgenauer als Luther und hatte eine prägnante und griffige, volksnahe Sprache. Sie war nur ca. 1 cm dick und hatte ein Kleinformat von 17,7x11,7 cm. Sie war in einer gestochen scharfen Frakturschrift gedruckt, die klein, aber gut lesbar war. Sie war fortlaufend gesetzt und wies nur einen Abschnitt auf, wenn sich der Textzusammenhang veränderte. Den Gottesnamen JHWH gab sie an den Stellen, an denen der Name im Gegensatz zu den Heidengötzen stand, mit Jehova wieder. Ansonsten schrieb sie "Herr".

Die Miniaturbibel kam im November 1905 auf den Markt, nachdem vorher schon Teile des Alten Testamentes bzw. das Neue Testament erschienen waren.

Bereits nach zwei Monaten, d.h. im Januar 1906 war die erste Auflage vergriffen. 1907 hatte die Miniaturbibel schon die 6. Auflage erreicht. Im gleichen Jahr erschien auch die Großdruck Hausbibel als erster Probedruck. Der Text war identisch. In dieser Zeit lief die Schlachter-Bibel, vor allem die Miniaturausgabe, in den Kreisen der Heiligungsbewegung und des Pietismus sowohl der Lutherbibel, als auch der Elberfelder Bibel den Rang ab. Später gab es dann auch größere Ausgaben als Hand- oder Familienbibeln.


Der Schriftforscher

Parallel dazu gab Schlachter ein Studienblatt namens "Der Schriftforscher" heraus. Es war eine Mischung aus Bibelstudienblatt und Bibellexikon. Es war vorgesehen, den lexikalischen Teil später als Anhang der Miniaturbibel zuzufügen. Schlachter gab die Miniaturbibel und den Schriftforscher in seiner Miniaturbibelgesellschaft selber heraus. Sein früher Tod verhinderte eine weitere Bearbeitung bzw. Zusammenführung von Miniaturbibel und Miniaturbibel-Lexikon.

Das Gefangenen-NT

1945 erhielten alle deutschen Kriegsgefangenen in englischer Gefangenschaft jeweils ein Neues Testament der Miniaturbibel. Es war eine leicht überarbeitete Sonderauflage des Neuen Testaments der Miniaturbibel. Die englische Scripture Gift Mission hatte diese mit Zustimmung der Familie Schlachter bei der Genfer Bibelgesellschaft geordert und sie zu Hunderttausenden an die deutschen Kriegsgefangenen in englischer Gefangenschaft verteilt. Die Witwe von Franz Eugen Schlachter, Maria Schlachter-Jakob hatte dieser Sonderauflage zugestimmt.


Revisionen

Nach dem Tod Schlachters gab es eine Revision durch die Schweizer Pfarrer Linder und Kapeller. Diese Revision kam am Reformationstag 1918 auf den Markt und erlebte insgesamt 7 Auflagen. Herausgeber war die previligierte Württembergische Bibelanstalt in Stuttgart.

1951 übernahm es die Genfer Bibelgesellschaft, eine Revision der ursprünglichen Miniaturbibel von 1905 durchzuführen. Diese Bibel war sprachlich vorsichtig revidiert und ähnelte im Text und den Ausgaben sehr der ursprünglichen Miniaturbibel bzw. der Hand- und Familienbibel. 1995 gab die Genfer Bibelgesellschaft eine erneute Revision in Auftrag, die 2003 beendet wurde. So liegt heute - als Nachfolgerin der Miniaturbibel - die Schlachter Version 2000 in ebenfalls drei Ausgaben vor: Miniaturbibel, Handbibel und Studienbibel.

Persönliche Werkzeuge