Mennonitisch-Katholischer Dialog:1330
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Mennonitisch-Katholischer Dialog
Die Bilder voneinander
41. Mennoniten und Katholiken haben seit dem 16. Jahrhundert stets negative Bilder vonein-ander gehegt. Derartige Negativbilder müssen selbstverständlich in den Kontext der frühneuzeitlichen katholischen und protestantischen Kontroverstheologie gestellt werden. Dennoch haben Katholiken wie Protestanten die Täufer verworfen und verfolgt, und die Täufer hielten die protestantischen Reformatoren für ebenso tadelnswert wie die katholische Kirche, die sie verlassen hatten.
42. Die Täufer teilten viele der üblichen reformatorischen Bilder von der katholischen Kirche. Zusammen mit anderen protestantischen Reformatoren beschuldigten die Täufer die Katholiken der Werkgerechtigkeit und der Abgötterei beim Vollzug der Sakramente. Sie betrachteten die Reformation als ein Vorspiel vor dem Ende der Zeit und hielten den Papst für den Antichrist. Die Täufer verließen schon bald das reformatorische Lager und kritisierten sowohl Katholiken als auch Protestanten für ein Verhalten, das sie für eine höchst ungesunde Verbindung mit der politischen Macht hielten. Sie glaubten, die Kirche sei in Sünde gefallen. Dieser Sündenfall wurde in Verbindung mit den Kaisern Konstantin und Theodosius und der Tatsache gebracht, dass das Christentum von Staats wegen zur einzigen Religion des römischen Reichs erklärt worden war. Sie betrachteten die Kindertaufe als den sichtbarsten Ausdruck einer Religion, welche die Menschen zwang, unabhängig von jeder Glaubensentscheidung Christen zu werden. In den Augen der Täufer konnten solche Christen weder im sittlichen Sinne ernsthaft sein noch die Früchte der Nachfolge hervorbringen. Verfolgung und Hinrichtung von Täufern steigerten die Polemik und förderten Negativbilder. Die Täufer meinten, die katholische Kirche sei auf Zeremonien, Werke, Tradition und Aberglauben gegründet. Die Priester wurden als unwissend, faul und böse dargestellt. Der Märtyrerspiegel, der von einem holländischen Mennoniten im 17. Jahrhundert verfasst wurde, erzählt die Geschichten vieler Märtyrer der Täufer. Er bringt sie in Zusammenhang mit der treuen Kirche in allen Jahrhunderten. Durch Erzählungen und Stiche zeichnet dieses für Mennoniten höchst bedeutsame Buch Katholiken und Protestanten als Verfolger, Folterer und Henker. Im Fortgang der Jahrhunderte fehlte Mennoniten oft die unmittelbare Kenntnis über die katholische Kirche, doch sie hielten an ihrer früheren Sicht fest.
43. Für Katholiken stellten die Täufer die logische Folge der protestantischen Häresie und des protestantischen Schismas dar. Als Luther die katholische Kirche verließ, lehnte er die einzige legitime christliche Autorität der Zeit ab. Dies öffnete Tür und Tor für zahlreiche und widersprüchliche Deutungen der Heiligen Schrift wie auch für politischen Umsturz. Neben den traditionellen katholischen Vorwürfen gegen den “Protestantismus” beherrschten die Ablehnung der Kindertaufe und die Praxis der Wiedertaufe die frühe katholische theologische Reaktion auf das Täufertum. Katholiken betrachteten die Täufer als unwissende Leute, deren Theologen kein Latein konnten. Sie erhoben z.B. die Anklage, dass der täuferische Theologe Dr. Balthasar Hubmaier ein Agitator, ein Feind der Obrigkeit und eine unmoralische Person sei. Lange Zeit, sogar bis ins 20. Jahrhundert, brachten katholische Autoren die höchst friedfertigen Anhänger Menno Simons mit den radikalen Melchioriten von Münster in Verbindung. Katholische Theologen hatten in der Tat eine begrenzte Kenntnis der Geschichte des Täufertums. Sie waren der Ansicht, dass die Täufer alte Häresien erneuerten, die vor langer Zeit verworfen worden waren. All das wurde noch verwickelter durch die Tatsache, dass katholische Theologen während des 16. Jahrhunderts gegen Menschen schrieben, die der Staat auf Wunsch der katholischen wie auch der protestantischen Fürsten auf dem Reichstag zu Speyer zum Tode verurteilt hatte (s.o. Nr. 40) und die daher keinen Rechtsschutz genossen.
